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Designermöbel & Accessoires

Der Freischwinger – Geschichte und Hauptmerkmale

Laut Wikipedia Definition ein Freischwinger ist ein Stuhl ohne Hinterbeine, dessen Sitzfläche unter dem Gewicht einer Person federnd nachgibt – „schwingt“.

Ein Kragstuhl (von kragen = überstehen; englische Bezeichnung: cantilever chair – freitragender Stuhl) ist ein Stuhl ohne Hinterbeine, der wegen seiner starren Konstruktion diesen federnden Sitz nicht hat. Der Freischwinger ist demnach eine Variante des Kragstuhls.

Zur Erfinder Sitzgelegenheiten dieser Art zählen Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und Mart Stam, die ihre Modelle in Jahren 1925 und 1926 erstmals präsentierten.
Die Urheberschaft lässt sich schwer objektiv zu ermitteln. Nach diversen Prozessen zur Frage der Urheberschaft am Freischwinger wurde im 1932 die künstlerische Urheberschaft Mart Stam bzw. Anton Lorenz als Inhaber der Rechte von Mart Stam durch Deutschen Reichsgericht zugesprochen.
Mies van der Rohe hatte 1926 für seine Variante des Freischwingers, den MR 20, noch vor der öffentlichen Präsentation des Stam-Stuhles ein Patent angemeldet, den er später auch erfolgreich verteidigt hat.
Ein Anteil Marcel Breuers an der Urheberschaft des Freischwingers wurde von den Gerichten zwar abgewiesen, ist unter Kunsthistorikern jedoch immer noch umstritten. So führt das Metropolitan Museum in New York Marcel Breuer, als Erfinder des Freischwingers.

Außer o.g. geistlichen Väter des Freischwingers gab es auch andere Designer, um nur wesentlichen zu erwähnen:
Alvar Aalto (1898 – 1976), Finnland
Willem Hendrik Gispen (1890 – 1981), Niederlanden
Jindřich Halabala (1903-1978) Tschechoslowakei
Anton Lorenz (1861 – 1964) Ungarn, Deutschland, USA
Verner Panton (1926 – 1998), Dänemark
Ladislav Žák (1900-1973) Tschechoslowakei

Die Hauptproduzenten sind bzw. waren:
Artek, Finland
Desta (Deutsche Stahlmöbel) Berlin, Deutschland – 1929-37
Hynek Gottwald, Tschechoslowakei – bis 1948 (Nachfolger Kovona n.p.)
Knoll Int.
Kovona n.p., Tschechoslowakei, 1948-1952
L. & C. Arnold Schorndorf bei Stuttgart, Deutschland
Mauser, Deutschland
Mücke-Melder, Tschechoslowakei – bis 1948 (Nachfolger Kovona n.p.)
Robert Slezák, Tschechoslowakei, Tschechien
Standard Möbel, Berlin, Deutschland – 1927-29
Thonet, Deutschland
UP závody (Spojené uměleckoprůmyslové závody v Brně), Tschechoslowakei, 1921 – 1948
Willem H. Gispen Fabrik voor Metaalbewerking, Holland

Viele Modelle wurden von verschiedenen Herstellern unter verschiedenen Bezeichnungen angeboten, so schon im Jahr 1929 wurden L33 und ST 12, bzw. L34 und SS32 bei Thonet und bei
DESTA hergestellt und ab 1931 als Modell 104 von Willem H. Gispen produziert.
So formuliert die Wissenschaft (Jan van Geest, Otakar Máčel. STUHLE AUS STAHL Metallmöbel 1925-1940. Verlag König, Köln 1980) der Status quo:
„Die Beschreibungen und Datierungen industrieller Produkte sind schwierig.
Da es sich in den meisten Fällen um Multiples handelt, wird der Zuschreibung und Datierung des ‚Concetto‘ viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber gerade der immaterielle Charakter der Entwürfe zwingt den Historiker zu Vermutungen und Hypothesen.
Abweichungen von den Prototypen sind oft mehr vom Zufall und von betriebsökonomischen Überlegungen als von der bewussten Gestaltung eines Stuhlmodells abhängig.“

Die bekanntesten Modelle sind u.a.:
Freischwinger-Stuhl MR 10/20 von Thonet
Designer: Ludwig Mies van der Rohe

Freischwinger-Sessel S411 von Thonet.
Wurde auch unter Lizenz als FN 24 bei Mücke-Melder, EK34 bei Hynek Gottwald später Kovona, K29 bei Robert Slezák, K411 bei W. Knoll hergestellt.
Designer: Thonet, Willem H. Gispen

Freischwinger FAMOS FN 21 von Mücke-Melder, Kovona
Designer: Anton Lorenz

Freischwinger Model 412 von Willem H. Gispen
Designer: Willem H. Gispen

Freischwinger RS7 von Mauser Werke Waldeck

Sessel Barcelona
Designer: Ludwig Mies van der Rohe

Freischwinger H-91 von UP závody
Designer: Jindřich Halabala

LC1
Designer: Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand

Stuhl Ceska – B32
Designer: Marcel Breuer

Sessel Wassily – B3
Designer: Marcel Breuer

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